Eine Idee im Jahre 1970..
Eine Lücke in der Betreuung junger Menschen mit Behinderung hat vor fast 40 Jahren zur Gründung der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach geführt. Für Jugendliche endete damals die Schulpflicht mit 16 Jahren, während eine Aufnahme in die beschützenden Einrichtungen erst ab 18 Jahren möglich war.

Für den Waldorflehrer und Sozialtherapeuten Hans Dackweiler, der in der Dorfgemeinschaft Lehenhof wirkte, ein untragbarer Zustand, denn gerade in diesen beiden Jahren brauchten und brauchen Jugendliche besonders viel Zuwendung. Schon Ende der 60-er Jahre reift deshalb in ihm und seiner Frau Marga der Gedanke, eine neue Einrichtung für Jugendliche ins Leben zu rufen und sie in einer Schule auf ihre Arbeitswelt vorzubereiten. Er macht sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort und wird schließlich in Großschönach fündig. Dort ist man ohne Vorurteile und bietet ein erschlossenes Gelände im Weiler Lautenbach an. Im Winter 1970 wird der heutige Brunnenhof umgebaut, die ersten Jugendlichen ziehen ein, die Schule und die ersten Werkstätten nehmen den Betrieb auf, kurz: Die Dorfgemeinschaft Lautenbach ist gegründet.
Schnell erweist sich das integrative Konzept des gemeinsamen Wohnens, Lebens und Arbeitens von Menschen mit und ohne Behinderung als Erfolgsmodell. In den folgenden Jahren werden neue Häuser gebaut und weitere Werkstätten in Betrieb genommen, die Dorfstraße entsteht und der Badeteich wird angelegt. 1975 kommen erstmals die "Oberuferer Weihnachtsspiele" zur Aufführung und zehn Monate später wird zur ersten Elterntagung eingeladen. Ein weiterer Schritt in die Zukunft ist die Eröffnung des Seminars für Heilerziehungspflege. Neue Produkte der Werkstätten kommen auf den internationalen Messen und bei den Kunden gut an. Die Bautätigkeit findet kein Ende: Alanushaus, Kapelle, Raphaelhaus, Wilhelm-Meister-Saal, Buchbinderei, Ton- und Betonwerkstatt, Korczakhaus und Kontor. Später kommen die Häuser für selbstständiges und begleitetes Wohnen in Überlingen dazu und die Gründung der Schwestergemeinschaft Tennental, in der ältere Menschen mit Behinderung eine Heimat finden.
Heute leben in Lautenbach etwa 180 Menschen mit Betreuungsbedarf in 17 integrativen Großfamilien. Sie werden von über 130 Mitarbeitern betreut und begleitet. Gearbeitet wird in elf respektablen Werkstätten mit modernster Ausstattung.

Die ersten Lautenbacher sind inzwischen in ein Alter gekommen, das eine seniorengerechte Pflege und Betreuung erfordert. Darauf hat man sich in Lautenbach mit umfangreichen Umbauten auch eingestellt. Lautenbach selbst ist bei aller Pflege der Traditionen jung geblieben. Therapie, Pädagogik, Ausbildung und Organisation sind auf dem allerneuesten Stand und ein Aushängeschild erster Güte.