|
Dorfgemeinschaft Lautenbach
» Website: http://www.dorfgemeinschaft-lautenbach.de
03.01.2010 - 00:00 Uhr Verfasser: Lennart Vocke
Arbeitsmotto 2010
Wertschätzung und Wertewandel in Lautenbach
Besuch von der Feuerwehr haben in den letzten Wochen die Werkstätten und die einzelnen Familien der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach erhalten. Genauer: Eine Feuerwehrfrau in ungewöhnlicher Aufmachung war im Dorf und in den Außenwohngruppen unterwegs. Begleitet wurde sie nicht nur von ihrer großen Trommel, mit deren Hilfe sie lautstark ihre Ankunft ankündigte, sondern auch von ihrem Kollegen Heiner. Pat & Patachon gleich zogen die beiden durch’s Dorf, beanstandeten hier einen fehlenden Brandmelder und dort einen rauchenden Kollegen, interessierten sich für Wolle und Feldsalat, Tee und Kuchenteller. Vor allem aber zogen sie Betreute und Betreuer mit ihrem ungeheuren Witz und ihrer Schlagfertigkeit in Bann. „Sind sie nun echt oder nicht?“, mag sich der eine oder andere gefragt haben. „Haben wir eine Inspektion der Feuerwehr vor uns? Und wenn ja, warum führt sie eine Trommel mit sich? Und warum um alles in der Welt macht die Feuerwehrfrau mit dem Vorarlberger Dialekt und der altbackenen braunen Lodenuniform den Lautenbacher Feuerwehrbeauftragten Heiner Prüsse so schlecht, wo der doch leibhaftig neben ihr herläuft und dabei nicht weniger witzig ist?“
Die Antwort ist einfach, zumindest wenn man Reinhard Küst-Lefebvre vom Leitungsteam fragt: Im Rahmen der Qualitätsentwicklung, der sich die Dorfgemeinschaft mit Vehemenz stellt, traten Themen auf, die einer Behandlung bedürfen. „Worauf basiert unser Handeln“, wurde beispielsweise in mehreren Sitzungen der Lautenbach-Konferenz thematisiert und dabei auch festgestellt, dass die Erwartungen an sich und andere unterschiedlich in den verschiedenen Einrichtungen bewertet werden. Man kennt sich zwar innerhalb der Dorfgemeinschaft, aber doch nicht jeder jeden, und auch die Aufgaben der einzelnen sind nicht immer so recht bekannt. Viele Strukturen sind außerdem im Lauf der Jahre und Jahrzehnte festgefahren, Neues macht womöglich unsicher und die gegenseitige Wertschätzung bleibt dann und wann auf der Strecke.
Die Impulsgruppe „Wege zur Qualität“ will sich dieser Entwicklung stellen und hat als Arbeitsmotto für das Jahr 2010 „Wertschätzung und Wertewandel“ ausgegeben. Etwas Ungewöhnliches soll dabei in Lautenbach passieren: In gemischten Workshops, gemischt quer durch alle Werkstätten und Wohngruppen, durch die Verwaltung, die Schule und alle Lautenbacher Einrichtungen, wird mit betreuten Menschen und Betreuern an dem Motto gearbeitet. Eingeladen ist also die gesamte Gemeinschaft, die Teilnahme ist freiwillig, wird aber gewünscht. „Das ganze Dorf soll mitmachen“, sagt Reinhard Küst-Lefebvre, der auf viele „neue Begegnungen im alten Dorf“ hofft. Bis Juli 2010 finden monatlich Workshops statt, zu denen man sich anmelden kann.
Warum dann der Besuch der Feuerwehr? Noch einmal ganz einfach: Die Workshops werden von Elke Maria Riedmann, jener Frau in den witzigen kurzen Feuerwehrhosen, geleitet. Bei ihrer Tour durchs Dorf mit Heiner Prüsse wollte sie auf die Workshops aufmerksam machen und zur Teilnahme ermutigen. Elke Maria Riedmann ist gelernte Kindergärtnerin, hat eine Zusatzausbildung in Sonder- und Heilpädagogik – und ist ein Clown. Als Theaterpädogogin versteht sie es, Themen mit viel Gefühl und Humor anzugehen und dabei die Ernsthaftigkeit nicht außer Acht zu lassen. „Ich darf albern sein oder traurig, aber ich bin immer liebenswert“ vermittelt sie den Menschen bei ihren Auftritten.
Längst hat man in der Pädagogik den Clown als Methode der Therapie entdeckt. „Entdecke den Clown in dir“, so der Titel von Riedmanns Seminarangebot, bietet die Möglichkeit, zu lernen, mit Gefühlen umzugehen: Traurigsein, Fröhlichsein, Gekränktsein, Angsthaben. Als Clown darf man sich blamieren, darf Schwächen zeigen, hässlich und dumm sein, man darf lächerlich sein. Mit den Lautenbachern will Riedmann in den nächsten Monaten nach der Pädagogik von Jacques Lecoq spielerisch üben, mit Schwächen, Gewohnheiten und Erwartungen, den eigenen und denen der anderen, und mit Tabus umzugehen. „Es ist ein Experiment, ein offener Prozess“, sagt Reinhard Küst-Lefebvre, „wir lassen uns selbst überraschen, wie es ausgeht.“
Bilder der Eröffnungsveranstaltung finden Sie in der
Galerie!
» Quelle: http://www.dorfgemeinschaft-lautenbach.de/index.php?id=32
|